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Historisches

Die Geschichte der Endodontie beginnt mit dem Buch „Le Chirurgien Dentiste“ von Pierre Fauchard (1678-1761) im Jahre 1728. Er beschrieb darin den Zahnwurm als Ursacher der Zahnschmerzen und Karies. Er beschrieb ein Vorgehen, welches eine Art Trepanation des Zahnes und ein Kauterisieren des Zahnnervs mit einem heissen Eisen beinhaltete. Dieses Verfahren wurde auch von Robert Woofendale (1766) und von Leonard Koecker (1821) erwähnt. Fauchard beschrieb 1728 auch die Exstirpation der Pulpa und die Wurzelfüllung mit Blei Edward Maynard (1813-1891) erfand die Extirpationsnadel bzw. Reibahle (barbed broach) zur Pulpaentfernung. Aus Stahl von Uhrenfedern feilte er Instrumente, die so fein waren wie ein Pferdehaar und einseitig gezackt warden. Er empfahl die Reibahle auch zur Bestimmung der Wurzelkanallänge. Der Wegbereiter der deutschen Zahnheilkunde, Philip Pfaff (1713-1766) erfand die Pulpaüberkappung mit Goldfolie (1756). Leonard Koecker kauterisierte zuerst die Pulpa und legte dann eine Bleifolie als Kühlmittel darauf (1821).

Dr. Edward Hudson aus Philadelphia war ein bekannter Anführer und Erfinder von zahnmedizinischen Techniken, so dass ihm 1809 und 1825 auch die ersten Wurzelfüllungen mit Gold zugeschrieben wurden. E. C. Kirk beschrieb 1892 das Natriumdioxidverfahren zum Bleichen von Zähnen.

George Black empfahl 1870 das Zinkoxichlorid zum Überkappen der Zahnpulpa und Adolf Witzel (1847-1906) 1847 die Pulpotomie mit Arsen. Er applizierte es für 24 Stunden auf die entzündete Pulpa, um ihren koronalen Anteil abzutöten und ihn danach zu amputieren. 1873 folgte Witzel den Errungenschaften von Joseph Lister (1827-1912), der Carbolsäure und Phenol zur Antisepsis empfahl, indem er Phenol zur Sterilisation der Wurzelkanäle verwendete. Das Formokresol, welches aus Formaldehyd und Phenol besteht, fand dadurch Anwendung bei Marion (1895), Schroeder (1896), Gysi (1899) und Buckley (1904). Die Buckley’sche Lösung des Trikresolformalin ist bis heute bekannt. Die Mumifizierung der Pulpa konnte sich bis 1930 halten und wurde durch Alfred Gysis Triopaste (1889) abgelöst. Erst die Einführung der Röntgengeräte zu dieser Zeit machte sichtbar, dass die Mumifikation mit Formokresol häufig periapikale Läsionen verursachten.

John Ross Callahan stellte 1893 im Vortrag „Sulfuric Acid for Opening Root Canals“ die Anwendung von 20-50%iger Schwefelsäure auf Wattepellet über 24-48 Stunden zur Wurzelkanäleröffnung vor. Gleichzeitig erfand A. W. Harlan aus Chicago die Papainpaste aus Glycerol und Salzsäure, welche 5-8 Tage in die Pulpakammer eingelegt wurde, um das Pulpagewebe zu „verdauen“. Gleichzeitig Otto Walhoff empfahl die thermische Prüfung der Pulpavitalität und erfand 1891 die Mischung aus Chlorphenol, Kampher und Menthol (CHKM) zur Einlage bei Pulpaproblemen, die bis heute in den Zahnarztpraxen im Gebrauch sind. Alfred Gysi erfand parallel dazu 1899 die Triopaste (Paraforaldehyd, Trikresol und Kreolin) und schlug vor, den Wurzelkanal mit Wasserstoffperoxid zu reinigen. H2O2 ging auf Thenardin (1818) zurück, welcher das oxyenierte Wasser als erster beschrieb. Natriumhypochlorit wurde 1915 von Dakin im 1. Weltkrieg zur Wunddesinfektion benutzt und ist fortan als Dakin’sche Lösung bekannt. Grossman und Meiman bewiesen die gewebeauflösende Wirkung von NaOCl und begründeten damit die Ära der Wurzelkanalspülung.

Die anatomischen Grundkenntnisse über Anzahl und Verlauf der Wurzel und dessen Kanäle legte Carabelli (1844). Andere Autoren folgten wie Black (1902), Miller (1904) und Presiwerkt (1901ff). Erst der Zürcher Pulpaforscher Walter Hess legte 1917 in seiner Habilitationsschrift die Gestalt der Pulpa und der Wurzelkanäle nieder. Prof. Meyer aus Göttingen zeigte die Vielgestaltigkeit der Verästelungen des Wurzelkanals an der Wurzelspitze in den 1950-Jahre. Vertucci erweiterte ab 1974 das Verständnis mit seinen Aufhellungspräparaten. Neuere Untersuchungen mit Mikrotomographie von Elliott und Dowker (1997), Peters (2001) und der Kernspinmikroksophie von Baumann (1995, 1997) zeigten das Endodont im dreidimensionalen Raum.

 

Glühendes Eisenhäkchen, um den Zahnnerv abzutöten
Bild 1: Glühende Eisenhäkchen verwendeten Zahnbrecher im Mittelalter, um den Zahnnerv abzutöten