Ausgangssituation:
Dieses Fallbeispiel zeigt ein sehr komplexes Behandlungsvorgehen, weil hier verschiedene Fachgebiete ineinander greifen. Man könnte es auch als Beispiel für die gemischte Klinik anführen. Der Patient kam mit einer abgebrochener Krone in der Zahn und wünschte aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit, dass die Zahnlücke in derselben Sitzung wieder versorgt wird.
Problematik:
Wie es sich heraus stellte, brach der Zahn 11 auf Zahnfleischhöhe ab, ohne dass der Patient über Schmerzen klagte. Die Zahnpulpa hatte sich zurück gezogen und die Zahnkammer wurde mit Tertiärdentin verschlossen und der Zahn wurde an dieser Stelle spröde, was die Kronenfraktur bei Belastung ermöglichte. Wir mussten also in der gleichen Sitzung die Wurzelbehandlung beginnen, die verlorene Krone wieder aufbauen und die Lücke schliessen.
Lösung:
Wir gingen genau so vor: zuerst führten wir die Pulpaextirpation durch. Hier kam erschwerend hinzu, dass sich die vitale Zahnpulpa ca. 3-4mm unter der Bruchstelle befand und wir mit dem OPMI diesen Kanal finden mussten, ohne den Zahn zu perfurieren. Danach führten wir eine normale Pulpextripation durch und verschlossen den Wurzelkanal mit Kavit (Gips). Nun waren wir gefordert, den Zahn wieder stabil aufzubauen. Dies erreichten wir mit dem sog. „Armierungs-und-Betonierungsprinzip“: im gesunden Wurzelmaterial setzten wir 3 parapulpäre Titanstifte, die uns als Armierung dienten. Danach bauten wir die Wurzel mit der Klebetechnik und EvoCeram Flow wieder auf, wobei wir einen dicken rosafarbenen Guttaperchastift als Leitstruktur für die Lokalisation des Wurzelkanals in der Tiefe verwendeten. Am Schluss legen wir eine Kronenpräparation um den Zahn und fügten eine proisorische Kunststoff-Krone als Abschluss bei.