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Historisches

Kurz vor 1900 begann sich die zahnärztliche Chirurgie als Spezialgebiet der Medizin in den USA zu entwickeln. Prof. James Edmund Garretson (1828-1895) war der erste Kieferchirurg der modernen Zeit am Dental College von Philadelphia. Als Arzt und Zahnarzt konnte er chirurgische Eingriffe in der Mundhöhle unter Einbezug der medizinischen Grundkenntnisse über Weichteil- und Knochengewebe und deren Wundheilung vollziehen. Er schrieb 1869 das erste und weit verbreitete Lehrbuch über die Orale Chirurgie. Mit der Entdeckung und dem Einsatz der Lokalanästhesie, welche durch Prof. Guido Fischer in Marburg erlangte die orale Chirurgie grosse Fortschritte. Der Breslauer Kieferchirurg Carl Patsch (1832-1932) führte 1892 die erste Zystenoperation und 1896 die erste Wurzelspitzenresektion durch.

Vor dem 19. Jahrhundert gab es keine Infektionskontrolle, weil deren Ursachen noch nicht bekannt waren. Erst als Thomas Alcock (1827) die Verwendung von Sodium & Calzium-Hyperchloridlösungen zur Desinfektion von Blut oder Körperflüssigkeiten kontaminierten Oberflächen empfahl und Joseph Lister (Vater der antiseptischen Chirurgie, 1827-1912) die Wunddesinfektion mit Karbolsäure getränkten Verbänden einführte, waren wichtige Grundlagen zur Chirurgie gelegt worden. Ebenso wichtig war das Händewaschen und Händedesinfizieren durch Chlorkalk vor einem solchen Eingriff, wie es erstmals Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865) in 1861 propagierte. Er erkannte auch erstmals die Ursache des Kindbettfiebers und führte daraufhin die ersten Hygienevorschriften für Aerzte und Krankenhauspersonal ein.

Louis Pasteur (1825-1895) neue Erkenntnisse in der Mikrobiologie und Chemie, sowie Robert Kochs (1843-1910) Postulate über Infektionskrankheiten (Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Parasist und Wirt, 1870-1880) brachten das Verständnis der pathogenen Mikroorganismen und der Übertragung von Infektionskrankheiten voran. Mit Alexander Fleming (1881-1955) kam es 1929 zur Entdeckung des Penicillins und dessen heilsamen Wirkung bei Infektionskrankheiten. Dies revolutionierte die Medizin grundlegend und verhinderte, dass einfache Infektionen zu fatalen Folgen führen konnten.

Appleton in den USA erklärte als erster, dass die Sterilisation mit Dampf die optimale Methode sei, um Dentalinstrument keimfrei zu machen. Mit den Krankheiten AIDS, HIV und Kreuzfeld Jakob wurden die Hygienemassnahmen und Infektionskontrolle bei allen medizinischen und zahnmedizinischen Eingriffen in den Vordergrund gestellt.

 

Zahnmeissel um 1750, Extraktionshebel um 1780
Bild 1: Zahnmeissel mit Elfenbeingriff um 1750, Extraktionshebel um 1780 und Zahnmeissel mit Holzgriff um 1780

 

Extraktionsinstrument Pelikan um 1720.
Bild 2: Das Extraktionsinstrument Pelikan aus Eisen um 1720.