Therapie
Zähne mit akuten pulpitischen Schmerzen sollten so rasch wie möglich, bestenfalls am gleichen Tag vom Zahnarzt behandelt werden, indem er den Zahnnerven entwerft und eine medikamentöse Einlage macht.
Dies geschieht in folgender Reihenfolge: Der Patient erhält zuerst eine Lokalanästhesie, um die Schmerzen zu unterbinden. Unter Kofferdam wird der schuldige Zahn in der Kaufläche bis zur Zahnkammer eröffnet, damit das Pulpagewebe entfernt werden kann. Danach werden die Wurzelkanaleingänge gesucht und die Wurzelkanäle mit feinen Handinstrumenten (sog. Reamern) eröffnet und es wird die sog. Arbeitslänge für jeden Wurzelkanal bestimmt, indem ein RootZX-Längenmessgerät RootZX-Gerät benutzt wird. Es gibt an, wann die Nadelspitze 1mm vom natürlichen (physilogischen) Wurzelkanalausgang entfernt ist. Mittels Nadel-Röntgenbild werden die Messlängen überprüft. Nun können die Wurzelkanäle von Hand mit Reamern oder maschinell mit Shapern aufbereitet werden, bis der Wurzelkanaldurchmesser min. 0.35mm an der Wurzelspitze erreicht hat. Gleichzeitig wird das Wurzelkanalsystem intensiv mit Natriumhyperchlorid, Chlorhexidin und Zitronensäure gespült, d.h. min. 80ml Spüllösung pro Wurzelkanal. Damit will man alle Gewebsreste und Infektionserreger denaturieren und herausspülen. Wir verwenden dafür das Rinsendo-Spülverfahren an, welches dank einer hydrodynamischen Pumpvorrichtung mit Hochdruck arbeitet, was zusätzlich eine vermehrte mechanische Reinigung des Zahninneren erzielt. Die Wurzelkanäle werden nun mit sterilen Papierspitzen getrocknet und mit einer medikamentöser Einlage (Ledermix-Aphalinegemisch 1:1 oder Calziumhydroxdpaste) gefüllt. Zum Schluss decken wir die Wurzelkanaleingänge mit sterilen Wattepellets ab und verschliessen den Zahn mit einer dichten Glasiomerzementfüllung.
Je nach Ausgangsituation sind weitere medikamentöse Einlagen am Zahn nötig, die bis zu 3 bis 4 Wochen im Zahn verbleiben. In einem solchen Fall wird der Zahn wieder eröffnet und unter sterilen Bedingungen nochmals gründlich gereinigt und gespült. Bei chronischen Entzündungen im apikalen Parodont des Zahnes verwenden wir zusätzlich Chlorhexitdinspülung 1-3 % über 15 Minuten mit mind. 150ml Flüssigkeit pro Wurzelkanal, um selbst den hartnäckigen Bacillus faecalis und colli abzutöten.
Zeigt sich der Zahn asymptomatisch und heilt der Knochen ab, so kann die definitive Wurzelkanalfüllung durch die sog. Laterale Kondensation mit Guttapercha und AHplus-Zement durchgeführt werden. Nach 2-8 Tagen kann der Zahn mit einer definitiven geklebten Kronenfüllung versehen werden. Zähne mit nekrotisierten Nerven und/oder mit chronischer Parodontitis im Wurzelspitzenbereich müssen besonders behandelt werden. Ziel dieser Behandlung ist es, (1) das tote Pulpagewebe, (2) der infizierte Smearler (Biofilm an der Kanalwand) und (3) die infizierten Kanalwände restlos zu entfernen und (4) das Wurzelkanalsystem wirkungsvoll chemisch zu desinfizieren. Dies wird am besten mit den nachfolgenden Systemen erreicht:
(A) MECHANISCHEN AUFBEREITUNG mit sog. Shaper und Inget-Winkelstück von Mikro Mega (Flacher Verzahnungsantrieb bei 400 Umdrehungen pro Minute). Die schneidenden Shaper bereiten die Wurzelkanäle sicher, schnell und sauber auf.
(B) MECHANISCHE UND CHEMISCHE DESINFEKTION des Wurzelkanalsystems durch das SPÜLSYSTEM RINSENDO von Dürr Dental. Jeder Kanal wird ausgiebig und wiederholt mit 1-3% NAOCL gespült (bis zu 100ml pro Kanal und Wurzelbehandlung). Abwechslungsweise wird der Kanal getrocknet und mit 6% Zitronensäure (bis zu 60ml) und/oder mit 1-3 % Chlorhexidinlösung (bis zu 60-80ml pro Wurzelkanal und 15 Minuten) erneut gespült. Diese Prozedur wird mit einer erneuten medikamentöser Einlage und dichten provisorischem Kronenverschluss abgeschlossen.
Der wurzelbehandelte Zahn erhält seine definitive Wurzelkanalfüllung erst, wenn die Symptome wie Schmerzen, Klopfdolenz, Beweglichkeit und Stinken aus dem Kanal restlos verschwunden sind. Hier ist besonders auf den Einhaltung der absoluten Sterilität der verwendeten Instrumente und Materialien zu achten.

