Schwierigkeiten & Grenzen
Blutungen
Bei diesem Eingriff wird das Zahnfleisch und der Kieferknochen eröffnet, was normalerweise zu geringen Blutungen führt. Werden dabei aus Zufall grössere Arterien eröffnet, sind geeigenete Massnahmen nötig, diese Blutungen zu stoppen. Bei Patienten mit Blutverdünner (v.a. Macumar oder Aspirin cardio 300mg) oder Blutgerinnungsstörungen muss beachtet werden, dass er vorgängig mit dem Hausarzt seine Blutgerinnung für den Eingriff optimal einstellt, damit keine übermässige Blutungen entstehen können.
Nervirritationen und Nervverletzungen
Der Unterkiefernerv verläuft im Nervenkanal im Kieferinnern und versorgt den Unterkiefer auf derselben Seite, indem er die Gefühlsempfindung wahrnimmt. Gerät das Implantat in Nervnähe, so kann dieser mit dumpfen und tauben Gefühl in der Lippenregion reagieren, was einige Tage bis Wochen anhalten kann. In anderen Fällen kann es zum Kribbeln an der Lippe führen. Wird ein Implantat in den Nerv gesetzt, so kann dies zur dauerhaften Gefühlstaubheit in der Lippe führen, was meistens den Anfängern passiert, wenn überhaupt. Weitaus seltener ist die Verletzung des Zungennervs auf der Operationsseite. Dabei können Gefühl- und Geschmacksempfindungen gestört werden oder ausfallen.
Kieferhöhleneröffnung
Eröffnung der Kieferhöhle bei der Implantation stellt das gleiche Problem dar wie bei der Entfernung eines natürlichen Oberkieferzahnes (Weisheitszahn). Es besteht das potentielle Risiko einer Infektion der Nebenkieferhöhle aus dem Munde. Die exakte Planung und Längenbestimmung der Implantate kann hier helfen, damit es nicht passiert.
Perforationen
Das „Durchbohren“ des Knochens ist die Folge einer fehlerhaften Ausrichtung der Implantatbohrung oder aber die Folge eines Knochendefizits. Wichtig ist, dass das Implantat zirkulär vom Knochen umgeben ist.
Verletzung von Nachbarzähnen
Fehlende Planung, Routine, Unkenntnisse und anatomische Besonderheiten können dazu führen, dass natürliche Zahnwurzeln beim Erstellen des Bohrlochs verletzt werden. Im ungünstigen Fall muss ein solcher Zahn wurzelbehandelt werden.
Fehlerhafte Positionierung der Implantate
Eine fehlerhafte Positionierung von Implantaten macht sich bei der Versorgung mit Zahnersatz bemerkbar. Fast immer ist der Positionierungsfehler ein Planungsfehler oder die Nichtbeachtung chirurgischer oder prothetischer Regeln. Anatomische Besonderheiten können die perfekte Implantatpositionierung verunmöglichen. Im Idealfall wird der Patient über die technischen Grenzen seines persönlichen Falles vor der Behandlung informiert.
Komplikationen nach der Versorgung
Implantatverlust
Der Verlust eines Implantates nach der erfolgreichen Einheilung (Osseointegration) ist eine eher seltene Komplikation. Hierfür gibt es zwei Hauptursachen :
- Fortgeschrittene Entzündung um das Implantat mit dadurch bedingtem Knochenabbau: Fehlende Nachkontrolle über Jahre und schlechte Mundhygiene können zu einer fortgeschrittenden Zahnfleischentzündung um das Implantat herum führen, der sog. Periimplantitis, welche zum Knochenverlust und zum Implantatverlust führen kann.
- Mechanische Überbelastung des Implantats durch eine statisch ungünstige Versorgung. Ein Bruch des Implantats ist immer die Folge einer mechanischen Überbelastung.
Andauernde Schmerzen
Schmerzen im Bereich der versorgten Implantate sprechen in der Regel für eine Entzündung, sie kommen jedoch äußerst selten vor und sollten in jedem Fall durch den Zahnarzt abgeklärt werden. Im Oberkiefer kann es sein, dass Implantate in der Nähe der Nasen- oder Kieferhöhle Ursache für eine fortgeleitete Infektion sind. Im Unterkiefer kann eine Irritation (Reizung) des sensiblen Unterkiefernervs vorliegen, wenn eine direkte Beziehung Implantat-Nervkanal vorliegt.
Mitunter sind auch sog. Narbenschmerzen, bedingt durch die Schnittführung, Ursache für unklare Schmerzen. Diese treten vor allem bei horizontalen Schnitten in beweglichen Schleimhautzonen auf. Softlaseranwendungen sind in diesen Fällen eine einfache und effektive Maßnahme.
Chronische Entzündung
Entzündungen um Implantate zeigen sich durch gerötetes oftmals auch leicht blutendes und geschwollenes Zahnfleisch. Sie sind die Folge von mikrobiellen Plaqueanlagerungen. Das Heimtückische hierbei ist, dass der Patient überhaupt keine Schmerzen verspürt und daher auch nicht alarmiert ist, dass etwas nicht stimmt. Die Anlagerungen sollten daher gründlich und regelmäßig entfernt werden, um einen langfristigen und entzündungsfreien Halt der Implantate zu garantieren.
Kieferfraktur
Fehlende Nachkontrollen und Röntgenkontrollen können dazu führen, dass ein massiver Knochendefekt um Implantate herum auftritt, ohne dass der Patient davon etwas merkt. Dies kann sogar im ungünstigsten Fall dazu führen, dass der Unterkiefer so stark geschwächt ist, dass sie den normalen Belastungen nicht mehr standhält und es zu einer Kieferfraktur kommt.
Heftiger Knochenabbau (Risiko Kieferfraktur)
Das Röntgenübersichtsbild zeigt nichts Gutes. Die dunklen Bereiche um die Implantate (helle "Stifte") spiegeln den dramatischen Knochenabbau wieder.
Misserfolge in der Implantologie
In der gesamten Medizin kann es keinen 100%igen Erfolg geben. 10% Misserfolg sind überall in der Medizin per se zu betrachten. Auch ausführliche Informationen über die Schattenseiten der Implantologie gehören daher zu einer seriösen unabhängigen Infoseite und obendrein zu jeder individuellen Implantatberatung.
In der Medizin unterscheidet man zwischen dem relativen und dem absoluten Misserfolg. Der relative Misserfolg bedeutet, dass das Ziel nicht zufrieden stellend erreicht ist oder auch, dass das Ergebnis auf Dauer nicht als sicher und stabil angesehen werden kann. Der absolute Misserfolg bedeutet einfach gesagt den Verlust des Implantats oder aber die Unmöglichkeit der Nutzung des Implantats.
Die häufigsten Gründe für Misserfolge: So komisch es klingt, die meisten Misserfolge finden Ihre Ursachen vermutlich schon, bevor die Implantation überhaupt durchgeführt wurde! - Denn der mit Abstand wichtigste Schritt für eine langfristig auch erfolgreiche Implantatversorgung ist die gründliche Befundaufnahme und weitsichtige Planung.

