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Zahnunfall mit Milchzähnen

Bei Kindern von 0-6 Jahren sind die Milchzahnverletzungen relativ häufig (ca. 30%). Bei den ersten Steh- und Gehversuchen im Alter von 12 bis 24 Monaten treten oft Stürze zu Hause auf, die zu Weichteilverletzungen am Kinn, an Lippen, am Zahnfleisch und zu Milchzahnverletzungen führen. Riss-, Beiss- und Quetschwunden können starke Blutungen und Schwellungen verursachen.

Am häufigsten sind dabei die oberen Frontmilchzähne betroffen. Aufgrund der hohen Elastizität des Alveolarknochens treten hier vermehrt Verletzungen am Zahnhalte-apparat (Parodont) auf. Die Milchzähne sind oft nur gelockert und / oder disloziert. Keimschädigungen an bleibenden Zähne können nach schwereren Milchzahntraumata wie Intrusion, Avulsion, Pulpanekrose mit Abszessbildung auftreten. Engmaschige Nachkontrollen im Abstand von 2-3 Monaten helfen, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und geeigneten Massnahmen zu treffen.

Eine genaue Befunderhebung mit Angaben über Unfallursache, -Zeitpunkt, -Hergang und Beschwerdeverlauf, sowie eine umsichtige Untersuchung mit allfälligen Röntgenbildern über die Unfallzähne geben erste Hinweise über den Unfall und dessen Ausmass. Insbesondere sind Beobachtungen über Unfallhergang (Bewusstlosigkeit oder Erbrechen) und -Verlauf, über Klagen und Schmerzen des Kindes wichtig, damit weitere Abklärung unternommen werden (Ausschluss von Kiefergelenks- und Schädel- oder Hirntraumata).

Die Behandlung der verletzten Milchzähne sollte unter Berücksichtigung aller Faktoren wie Aufwand, Nutzen und Risiko erfolgen. Die Priorität hat dabei die vollständige Schmerzausschaltung und die Sorge um den bleibenden Zahnkeim, welche in einer engen Nachbarschaftsbeziehung zum Milchzahnvorgänger im Kieferknochen liegt. Ziel ist es, die Verletzung oder Gefährung des bleibenden Zahnkeimes zu verhindern. Weitere Behandlungen sind :

  • Angeschlagene und nicht fraktuierte Milchzähne werden belassen.
  • Schmelzdentinfrakturen mit Zahnteilverlust werden mit Kompositaufbauten wieder restauriert.
  • Kronen-Wurzelfrakturen oder Wurzelfrakturen führen meist zur Extraktion des Kronenanteils des Milchzahnes. Die Restwurzel wird nicht gezogen, da der Zahnkeim des bleibenden Zahnes verletzt werden könnte. Sie wird oft mit dem Durchbruch des bleibenden Zahnes an die Gingivaoberfläche befördert oder von ihm resorbiert.
  • Spätfolgen mit Pulpanekrose und Abszessbildung: Extraktion des Milchzahnes.

 

Schmelzdefekt am Zahn 12 nach Milchzahntrauma 51 + 52 in Alter von 4 Jahren
Bild 2: Schmelzdefekt am Zahn 12
nach Milchzahntrauma 51 + 52
in Alter von 4 Jahren

 

Frontzähne mit Schmelzhypoplasien nach Milchzahntrauma mit 3 Jahren.
Bild 3: Frontzähne mit
Schmelzhypoplasien nach
Milchzahntrauma mit 3 Jahren.