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Theoretisches

Heute weiss man, dass die Erkrankung des Parodonts auf vielen Faktoren beruht. Das alleinige Vorhandensein von Zahnplaque führt zwar zu einer Ginigvitis, aber nicht unbedingt zu einer Parodontitis. Es hat sich gezeigt, dass das Zusammenwirken des Angriffs der Bakterien und der Abwehrreaktion des Wirtes zur Parodontitis führt. Vier verschiedene Einflussbereiche spielen dabei eine wichtige Rolle:

  • Das Vorliegen von pathogenen Mikroorganismen, welche von der Mundhygiene, der Ernährung und Retentionsfaktoren abhängen.
  • Das Vorliegen von genetischen Immundefekten, systemischen Erkrankungen und Viren, welche die Immunantwort des Wirtes beeinflussen.
  • Das Vorliegen von Gewohnheiten wie allgemeine Pflege; reduzierte oder fehlende Mundhygiene, Rachen, Alkohol und Medikamente. Hier spielt das soziale Umfeld wie Familie, Ernährung, Beruf und Kultur einen bedeutenden Einfluss aus.
  • Das Vorliegen von negativem Stress und psychischer Belastung, welche die Immunabwehr schwächt.

Es gilt nach wie vor der Grundsatz: „ohne pathogene Bakterien keine Parodontitis“. Der Verlauf, das Ausmass und die Geschwindigkeit der parodontalen Erkrankung hängt vom Angriff (Bakterien) und der Abwehr (Wirtsantwort) ab, wenn das Gleichgewicht gestört ist. Die absolute Plaquefreiheit, wie man sie früher anstrebte und welche gar nie zu erreichen war, hat ihre Bedeutung verloren. Die Therapie stützt heute vielmehr auf die kombinierte Beeinflussung der obigen vier Bereiche ab.

Parodontale Erkrankungen

Parodontalerkrankungen werden heute in 5 Haupttypen gemäss dem Internationalen Workshop der European Federation of Periodontologie EFP eingeteilt:

  1. Typ I: Gingivale Erkrankungen plaqueindiziert (Ia) und nicht plaqueindiziert (Ib)
  2. Typ II: Chronische Parodontitis lokalisiert (IIa) und generalisiert (IIb)
  3. Typ III: Agressive Parodontitis lokalisiert (IIIa) und generalisiert (IIIb)
  4. Typ IV: Parodontitis als Manifestation systemischer Erkrankungen:
    1. (IVa) assoziiert mit hämatologischen Erkrankungen;
    2. (IVb) assoziiert mit genetischen Abbertionen
    3. (IVc) assoziiert mit anderen Allgemeinerkrankungen
  5. Typ V: Nekrotisierende Parodontalerkrankungen:
    1. (Va) nekrotisierende ulzerierende Ginigivitis (NUG)
    2. (Vb) nekrotisierende ulzerierende Parodontitis (NUP)

Die Parodontitis gehört zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Nur 5-10% sind rasch verlaufende und aggressive Formen. Die Hauptformen sind die Typen II und III, welche je nach Situation der 4 Einflussbereiche lokalisiert oder generalisiert auftreten. Sie verlaufen meist in akuten und chronischen Schüben oder Phasen.

 

Gesunde Gingiva im Milchgebiss Eckzahnbereich
Bild 1: Gesunde Gingiva im Milchgebiss Eckzahnbereich

 

Gesunde Gingiva im Milchgebiss Frontzahnbereich
Bild 2: Gesunde Gingiva im Milchgebiss Frontzahnbereich