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Historisches

Die Totalprothetik hat eine sehr lange Geschichte. Erste wissenschaftliche Arbeiten stammen aus der Zeit des frühen 18. und 19.Jahrhunderts. So zum Bespiel beschrieb Philipp Pfaff 1756 ein Abformverfahren und Bissnahme mit Wachs und Siegellack. Die Gipsmodelle brachte er mit einem einfachen Gipsokkludator zueinander. 1808 entwickelte Gariot einen Scharniergelenkokkludator aus Metall.

Bis 1850 wurden totale Prothesen aus Elfenbein, Walrossbein oder Holz geschnitzt und mit menschlichen Zähnen oder Porzellanzähne versehen. Aufgrund ihrer organischen Zusammensetzung wiesen sie eine kurze Lebensdauer auf. Seit 1757 stellte man Metallbasen aus Gold oder Platin her, die als Platten in Stanzen geprägt wurden. Der Preis von solchen Prothese war hoch, dass sich nur wohlhabende Leute diesen Zahnersatz leisten konnten. Um 1820 fertigte Hudson aus Philadelphia Prothesenbasen aus Zinn her, welche aufgrund ihres Gewichts nur im Unterkiefer einzusetzen waren. Da zu dieser Zeit keine individuellen Abformungen von Kiefern möglich waren, konnte man keine saugenden Prothesen im Oberkiefer herstellen. Deshalb wurden unterschiedliche Federkonstruktionen angefertigt, welche den Halt der Vollprothesen ohne Gaumenabdeckung im Oberkiefer bewerkstelligen sollten.

George Washington war nicht nur einer der berühmtesten Präsidenten von Amerika sondern auch ein geplagter Patienten, der unter heftigen Zahnschmerzen und Zahnausfall litt. Zur Zeit seines Amtsantrittes im Jahre 1790 hatte er nur noch ein Backenzahn im Unterkiefer links. In seinen Tagebüchern beschrieb er viele Momente mit langen und beschwerlichen Zahnschmerzen, welche nicht mit dem Verlust des letzten Zahnes endeten, was letztlich auch auf seine Stimmungen negativ auswirkte. Er beauftragte den besten Zahnarzt seiner Zeit in Amerika, Dr. John Greenwood, um zwei Prothesen aus Goldplatten und Wallrossbeinzähnen herzustellen, die mit Federn an seine Kiefer gepresst wurden. Präsident Washington trug sie nur bei offiziellen Anlässen und zum Essen, wo er möglichst nicht viel sprach. Sein Mund stank derart schrecklich, dass der Maler ihm ein Baumwolltupfer in den Mund steckte, als er ihn portraitiert musste. Die Prothesenzähne brachen schnell und der Präsident Washington beklagte sich darüber, so dass ihm der Greenwood riet, die Prothesen vor dem Portweintrinken auszuziehen.

Erst Nelson und Charles Goodyear entwickelten 1839 nach vielen Versuchen ein neues Verfahren, womit sie die Nachteile des Kautschuks (unangenehmer Geruch, Empfindlichkeit gegen Wärme und Kälte und Klebrigkeit) beseitigten. In der sog. Vulkanisation wurde Kautschuk und Schwefel zusammen erhitzt, wodurch ein elastisches Material entstand, welches die negativen Eigenschaften des Rohstoffes nicht mehr aufwies. Ab 1851 kam der vulkanisierte Kautschuk als neue, dauerhafte und erschwingliche Prothesenbasen auf den Markt, den sie im 1864 patentieren liessen. Der Werkstoff fand bis 1940 eine breite Anwendung und Beliebtheit im Volk.

Delabarre empfahl 1825 Abformlöffel und Stent erprobte 1837 Wachse, die als Abformmaterial in verschiedenen Temperaturen verwendet wurden. Der Elsässer Schrott erfand als erster die Funktionsabformung mit individuellen Löffeln, welche ein bedeutender Fortschritt für den verbesserten Halt von Totalprothesen darstellte. Ebenso wurde Gips als Abformmaterial entdeckt.

Der erste zahnärztliche Kunststoff war das 1870 aus Nitrocellulose und Kampfer gewonnene Zelloid. Leider war dieser Werkstoff nicht mundbeständig. Die Versuche, einen zur Mundbeständigkeit geeigneten Kunststoff zu entwickeln, dauerten bis 1936, wo das sog. Nassverfahren unter Verwendung von Polymer (Pulver) und Monomer (Flüssigkeit) alle anderen Werkstoffe für die Prothesenbasisherstellung verdrängte. Die Firma Kulzer patentierte den ersten selbsthärtenden und pinkfarbenen Acrylkunststoff im Jahre 1943. Seine Nachteile waren die massive Volumenschrupfung von 21% und die pulpatoxische Wirkung auf die Zähne.

Im Jahre 1918 entwickelte die Firma Krupp erstmals Stahl für die Prothetik. Im Jahre 1935 gelang die Herstellung einer Kobalt-Chrom-Legierung, welche als stabile Modellgussbasis in der Teilprothetik Verwendung fand. Sie bestand aus 54-10% Kobald, 20-31% Chrom, sowie Molybdän, Mangan, Silizium, Wolfram oder Eisen. Die hohe Härte und Festigkeit, sowie die gute Korrosionsbeständigkeit waren die Vorzüge.

 

Die Prothese von George Washington 1789-1797
Bild 1: Die Prothese von George Washington 1789-1797

 

Sog. Waterloo Zähne
Bild 2:Sog. Waterloo Zähne: von Gefallenen gezogene Zähne wurden mit Goldstiften an eine Elfenbeinbasis befestigt

 

Prothese in Silber mit Tierzähnen 19.Jhdt
Bild 3: Prothese in Silber mit Tierzähnen 19.Jhdt

 

Mineralzähne mit Elfenbein auf Goldbasis im 19 Jhdt.
Bild 4: Mineralzähne mit Elfenbein auf Goldbasis im 19 Jhdt.