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Theoretisches

Viele Wissenschaftler trugen über fast 2 Jahrhunderte zur Erforschung der Total- und Teilprothetik bei. So ergaben die anatomischen Untersuchungen von Bonwill den ersten brauchbaren Artikulator, der auf wissenschaftlicher Grundlage mit waagerechten Kondylenbahnen konstruiert war. Balkwill beschrieb 1866 die unterschiedlichen Unterkieferbewegungen, Eckzähne als Führungselemente und die Geometrie des „Gotischen Bogen“. 1870 erklärte Bennett die Bennet’sche Lateralbewegung, das seitliche Versetzen des Unterkiefers während einer Lateralbewegung. Hayes konstruierte 1887 einen Gesichtsbogen zur gelenkbezüglichen Orientierung der Modelle im Artikulator. 1890 -1901 ergaben die Forschungen von Walker, von Spee (Speekurve) und Christensen (Christensen`sche Phaenomene) weitere Erkenntnisse über die Anatomie des Kiefergelenkes und seinen Bewegungen.

Der Schweizer Alfred Gysi (1865 - 1957) griff viele der genannten Erkenntnisse auf und entwickelte zusammen mit seinen Ergebnissen seine Artikulationslehre, die 1908 als „Das Artikulationsproblem“ erschien. Er überarbeitete im hohen Alter seine Artikulationslehre ein letztes Mal (1957) und gab „gute Aspekte von anders denkenden Kollegen“ in seine Lehrmeinung ein. Parallel entwickelten andere Forscher weitere Lehrmeinungen wie Balters, Fehr, Haller, Hiltebrand, Strack und Pound. Viele der damaligen Ideen und Forschungsergebnisse sind heute noch Bestandteil der neuen Konzepte.

Gerber veröffentlichte 1962 seine Kondylartheorie, welche in der Herstellung der Condyloformzähne und des Condylators mit Gesichtsbogen einfloss. Seine Schüler wie Palla, Bosshart, Lerch und Stuck griffen die Ideen auf und entwickelten sie basierend auf den täglichen Erfahrungen weiter. So erweiterte Lerch die Modellanalyse um die Innen- und Aussen-Korrekturbereiche. Stuck entwickelte, basierend auf der Gerbertheorie, die individuelle Aufstellung am Patienten nach phonetischen, physiognomischen und ästhetischen Gesichtspunkten im muskulären Gleichgewicht weiter. Seitdem werden die bilaterale balancierte Zahnaufstellung und die eckzahngeführte Zahnaufstellung gelehrt. Vieles wurde erforscht, die Grundsätze von Gysi, wie er es vor 90 Jahren empfahl „mit Hilfe des Gesichtsbogens den räumlichen Abstand der Okklusionsebene zu den beiden Kondylen zu registrieren und später auf den Artikulator zu übertragen“ blieben bestehen.

 

Embryogenetisches Prinzip nach Gerber
Bild 1: Embryogenetisches Prinzip nach Gerber: Zusammenhang zwischen Schneidezahnbreite im Oberkiefer und Breite der Nasenbasis und Nasenwurzel

 

Gesichtsform und passende Zahnformen
Bild 2: Gesichtsform und passende Zahnformen nach Alfred Gysi im 1935